Werner Glinka

Atelier-Notizen

Schwer

Letzten Winter war dieser Raum fast leer. Ein Rollwagen, ein paar Tabletts, ein Fenster voller kahler Äste. Ich sagte, ich würde Notizen posten, während die Arbeit voranschreitet. Die Arbeit schreitet voran. Die Regale füllten sich, auf der Werkbank wird gearbeitet, Kunstwerke nehmen Form an.

Was ich seitdem nachjage, lässt sich mit einem Wort beschreiben. Gewicht.

Karton ist leicht. Man faltet ihn flach, stellt ihn an den Straßenrand, der Wind bläst ihn weg. Und es nimmt kein Ende. Jede zweite Woche am Recyclingtag auf der Fahrt zum Atelier werde ich daran erinnert, dass ich Rohmaterial habe, solange ich will. Wir bestellen, es wird im Karton geliefert, der Karton wird weggeworfen. Das Wegwerfbarste, das es gibt.

Die Frage, an der ich immer wieder arbeite, ist einfach. Wie nimmt man das am meisten weggeworfene Material und lässt es schwer aussehen.

Die Antwort liegt in der Kante. Diesen Teil habe ich schon gezeigt - schneide ihn, staple ihn, und die Wellpappenkante, die sich in der Schachtel versteckte, kommt an die Oberfläche. Das gibt dir Volumen. Gewicht ist der nächste Schritt.

Genug Lagen gestapelt, dunkel gestrichen, und die Rillen füllen sich mit Schatten. Die Oberfläche liest sich nicht mehr als Textur, sondern als Dichte. Keine Platte mit einem Muster darauf. Ein massiver Block - Stein, oder das Ende eines gesägten Balkens. Diese beiden Platten wiegen fast nichts. Sie lesen sich als Masse. Das Treibholz dazwischen hält das Auge in der Mitte.

Dieses Stück täuscht das Gewicht auf eine Art vor. Das nächste auf zwei.

Der Block oben links wirkt wie Sand und Zuschlag in einem Bindemittel. Der Sand ist echt. Der Block nicht. Es ist ein Pappkarton mit aufgeklebtem Sand, etwas schwerer als die Platten, aber trotzdem ein Karton. Die Schnittkante sieht aus wie Stein, die Sandfläche wie Beton. Zwei Verkleidungen, ein Material. Kein Teil wiegt das, was er vorgibt.